Wieso sollten wir ins Fernsehen gehen?

JungAusBerlin schrieb am 14. Juli 2008


Folgende Email erreichte uns kürzlich:

„Hallo,

Ich bin Casting-Redakteurin bei einer TV-Produktionsfirma in Berlin. Für das erfolgreiche Format „We are family – So lebt Deutschland“ (täglich Montag bis Freitag, 14 bis 15 Uhr) suche ich Familien, deren Alltag wir im Fernsehen begleiten dürfen. Es wäre schön, wenn wir uns mal unterhalten könnten, damit ich euch mehr dazu erzählen kann.“
[…]

Einen Teufel werden wir tun!!!

Es ist ja nicht das erste Mal, dass uns eine Anfrage aus dem TV-Sektor erreicht, die uns dazu bewegen soll, unser Leben, bzw. erotisches Hobby im Fernsehen bei minimaler Gage breit treten zu lassen. Zum Beispiel die Produktionsfirma, welche die „Akte“ für SAT1 produziert, hatte sich bereits vor längerer Zeit bemüht, uns für den Themenschwerpunkt „Akte erotisch“ zu begeistern und mit irgend einem Einsteiger-Paar einen Club mit Kamerabegleitung zu erkunden. Auch damals hatten wir keinen Bock, in bekannter Privatsender-Volksverdummungs-Manier von einer quotengeilen Redaktion so dargestellt zu werden, wie es die Quote erfordert und einem Einsteigerpaar noch dabei zu helfen, sich in deren Dorf den Ruf zu versauen.

Und was sollen wir jetzt bitte auch noch bei „We are Family“ auf Pro7???
Teenys nach der Schule erschrecken, was wir so Schlimmes tun? Besser nicht, denn das sollen mal lieber die alleinerziehenden Hartz IV-Mütter oder Teeny-Mamas übernehmen, die sonst in dieser Sendung ihr Elend kundtun. Und Kinder (= Family) haben wir auch nicht zu bieten, die man hinterher für ihre peinlichen Swingerclub-Gänger-Eltern bemitleiden kann.

Mediengeile Idioten gibt es ja zuhauf, da wird sich bestimmt jemand Dummes finden. Wir werden diese Sendung nun öfter gucken, denn irgendwann heisst es wieder:
„Dein Elend, Deine hässliche Wohnzimmerschrankwand – unsere Quote!“
Wir sind gespannt auf neue Swingergeschichten… 😯

Wir wissen durch diverse berufliche Kontakte zu AV- und Print-Medien, was abgeht, wie man derartige (Reiz)Themen ausschlachtet und die Menschen dahinter am besten verheizt. Da bleiben wir doch lieber medientechnisch auf der Seite der Macher, lassen andere das Opfer spielen und amüsieren uns über die gestellten „tollen“ Geschichten über Swingerclubs im TV.

Aber eines haben wir immer noch nicht kapiert:
WIESO schreiben die immer wieder UNS an? Klar, wir sind ein grandioses Paar, aber soooo toll nun auch wieder nicht.

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Ein Kommentar zu “Wieso sollten wir ins Fernsehen gehen?”

  1.  die2beidenam 27. Juli 2011 um 18:38

    Wir sind, wie schon an anderer Stelle erwähnt noch völlig unerfahren. Nun haben wir schon mehrfach von den „vielen schlechten RTL2-Dokus“ über Swingerclubs gelesen. Nach einigem Suchen habe ich nur eine einzige gefunden. eine exklusiv-doku über die Villa Mondän. Selbst mir als Neuling (oder was ist man eigentlich, bevor man mit dem ersten Besuch zum Neuling wird?) kam da so einiges komisch (präziser: seltsam) vor.
    Gibt es denn wirklich keine realistischen und/oder informativen Dokus über Swinger(clubs)? Und gibt es tatsächlich keine Möglichkeit das Bild, das von Swingerclubs existiert in einer solchen Sendung zu korrigieren (zumal wenn ihr tatsächlich die Hintergründe ein wenig kennt)?

    Nebenbei: Meiner Meinung können auch kinderlose Paare als Familie betrachtet werden. Ok nicht nach einer Woche Händchen halten, aber nach 5 Jahren (evtl wilder) Ehe?!

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