Das Swingerclubsterben in Berlin

JungAusBerlin schrieb am 23. Januar 2009

Lang ist´s her, als wir das letzte Mal etwas geschrieben haben. Nicht, weil wir nicht wollten, sondern weil einfach nichts wirklich Mitteilungswertes geschehen ist. Wenn man mal von Weihnachten auf dem Klo, einem durchschnittlichen Silvester im Swingerclub und zehn echt tollen Tagen Aktivurlaub im Schnee absieht… (von denen wir uns gerade erholen).

Diesmal ein paar Gedanken zum aktuellen Swingerclubsterben in Berlin:
Das „Legeres“, Berlins wohl ältester Swingerclub (über 23 Jahre) hat seine Tore geschlossen. Nach dem plötzlichen Tod von Wolfgang, dem Betreiber des Clubs, hatte die „Gemeinde“ noch Hoffnung, dass der Clubbetrieb fortgeführt wird. Wir und einige andere Pessimisten allerdings rechneten damit, dass im Jahr 2009 irgendwann Schluss ist. Dem Legeres waren wir persönlich nicht allzu sehr verbunden, waren eher seltene Gäste, empfanden die Stimmung immer irgendwie drückend, hatten dort aber durchaus interessante und überaus geile Begegnungen (DANKE z.B. für unseren ersten Vierer mit zwei weiteren Mädels dort, also FFFM). Zudem bemerkte man speziell in diesem Laden, dass das in den anderen Clubs häufige (lästige) Party-People-Publikum und die Sehen/Zeigen-Fraktion dort weniger vertreten war, denn auf den Spielwiesen war eigentlich immer etwas los. Irgendwie schade um den in die Jahre gekommenen Club – immerhin eine Institution in der Swingerclublandschaft. Auf der Website ist zwar momentan von einem eventuellen Weiterbetrieb die Rede, aber wir sind da realistisch: Wir glauben nicht so recht an eine Wiedereröffnung, denn ohne reichlich Kohle in die Renovierung, Modernisierung und Sanierung der doch schon etwas überalterten Ausstattung zu stecken, wird das wohl nichts.

Update vom 20.02.2009:
Der Club öffnet nach rund 2 Monaten Schließung unter neuen Betreibern wieder. Wir sind gespannt, was sich in dem Laden getan hat und wie er sich entwickeln wird. Ob sie nun „Legere“ oder „Legeres“ heissen, wissen sie offenbar selbst noch nicht, zumindest deutet das Namens- und Domaindurcheinander darauf hin.

Update vom 04.11.2009:
Und nun ist das Legere(s) nach einem erneuten Wechsel der Front-Leute wieder dicht. Scheinbar wegen Umbauarbeiten bis Mitte Januar 2010. Wir glauben nicht so recht dran…

Update von Januar 2010:
Von Beständigkeit hat da auch noch niemand was gehört. Nun ist der Laden wieder richtig dicht. So langsam gruseln wir uns vor uns selbst. Können wir hellsehen?

Dann noch der andere Club, der nun unter neuem Namen und offenbar gaaaanz seriösem Konzept durchstarten will: Die Räumlichkeiten des „Youneed“ nennen sich nun „Düne 23“ und man betont extra auf der Website, dass „DÜNE 23 nichts mit dem YOUNEED gemein hat“. Als Youneed machte man schon in den letzten Wochen auf seriöse Wellness-Lounge mit Stunden- und Tageskarten (wie im Schwimmbad) und am Abend hatten an gewissen Tagen nur „VIPs“ (bedeutete dies etwa „Very illegally Poppen“???) Zutritt zu dem Laden. Was ein VIP ist und wie man es wurde, erfuhr man offenbar nur im persönlichen Kontakt, denn auf der Website stand nichts dazu. Echt geheimnisvoll.
Seit heute allerdings, scheint es auch keine VIPs mehr zu geben, denn die Website wurde ein wenig im Aufbau verändert und läuft auf einer neuen Domain. Jetzt ist von Stunden- und Tageskarten und der Möglichkeit der Locationbuchung für „private Veranstaltungen“ an bestimmten Abendenden die Rede. Na dann hoffen wir mal, dass dort nicht uninformierte Swinger das praktizieren, was im alten Youneed noch recht gern gesehen war…
Aufgrund des unserer Auffassung nach schon damals zu Swinger-Lounge-Zeiten wirren Club-Konzeptes und -mal diplomatisch ausgedrückt- zweier unnötiger „Vorkommnisse“ und Email-Diskussion zwischen den „alten“ Betreibern und uns, wollten wir nie Gäste des Youneed werden – wir können da sehr nachtragend sein. Es ist daher in unseren Augen nicht sonderlich schade um diese Location und besonders überrascht hat uns diese für jeden weitblickenden Realisten absehbare „Komplettänderung“ am Konzept auch überhaupt nicht (Swingerlounge soll nicht sein, dann machen wir halt mit neuem Firmennamen nen Sauna-/Wellness-Laden draus). Aber auch bei der „Düne 23“ (was für ein Name…) denken wir, dass in absehbarer Zeit der Markt seine Selbstreinigungskräfte aktivieren wird, denn Wellness und Sauna mit Sexverbot kann man für 25 EUR Tagespreis auch in einer vernünftigen, namhaften Therme hervorragend machen, dafür muss man nicht in den Grunewald fahren. Wir sind gespannt auf die Entwicklung und werden uns aufgrund der Promotion, welche derzeit noch immer auf Erotik- und Swingerplattformen für Veranstaltungen in der „Düne23“ betrieben wird, unseren Teil dazu schon denken…

Update von Januar 2010:
Auch die Wanderdüne ist seit Ewigkeiten dicht. Scheinbar wegen Sanierungsarbeiten nach Wasserschaden. Nur die wollen wohl nicht enden…

Das große Clubsterben hat also begonnen, der Markt wird (zwangs)bereinigt. Dies ist auch ein Ergebnis des im Hintergrund stattfindenden Konkurrenzkampfes der Swingerclub-Betreiber, die mit diversen schmutzigen Tricks seit langer Zeit einen miesen, selbstzerstörerischen Kleinkrieg führen, über den wir hier besser nicht näher berichten…
Wenn dies so weiter geht, bleiben nur noch 1-2 besuchbare Clubs übrig und halt die 24-Stunden-Schmuddel-Gangbang-Nutten-Läden mit überwiegend unangenehmem Publikum mit behaartem Rücken. Schade eigentlich. 🙁

Wir haben da übrigens so eine Vorahnung, welchen Laden es als nächstes trifft – zum Glück wahrscheinlich ein Club, in dem wir bisher nur 1x waren, da er auch von Beginn an ziemlich konzeptlos ist. Wäre für uns also auch kein Beinbruch, die Investoren tun uns aber schon echt leid. Aber wir schreiben besser keinen Clubnamen, denn sonst sind wir noch Schuld am Elend… 😎

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7 Kommentare zu “Das Swingerclubsterben in Berlin”

  1.  Frankam 24. Januar 2009 um 15:33

    Hallo!
    Leider kein auf Berlin beschränktes Phänomen. In meiner Heimatstadt gibt es auch nur noch zwei (!) Clubs. Mein Stammclub (war dort rund 10 Jahre Stammgast) sperrte vor kurzem zu.
    Jammerschade!

  2.  m&mam 20. Februar 2009 um 12:32

    erzählt doch mal was im youneed schief gelaufen ist ? … die seite von düne23 sieht doch eigentlich nett aus und der bericht damals auf berlin intim war eigentlich auch toll.

  3.  JungAusBerlinam 20. Februar 2009 um 12:48

    @m&m:
    Direkt „schief gelaufen“ ist eigentlich nichts, es gab lediglich zwei unnötige Vorkommnisse, die uns verärgert haben. Aber wir werden dazu nichts weiter schreiben, denn irgendwann ist einfach mal gut.

  4.  schöngeistam 11. Juli 2009 um 18:21

    Ich habe die Düne 23 schon besucht und finde auch das neue Konzept höchst sympathisch. Das ausgesprochen angenehme Ambiente macht die Location zum Berliner Highlight. Sex gehört zwar nicht mehr zum Konzept… aber mal ehrlich, wer in einer Wellness-Badelandschaft eine Möglichkeit zum Rückzug sucht, wird immer fündig ;-)…. und dann ist das Ganze doch noch viel prickelnder.

  5.  JungAusBerlinam 12. Juli 2009 um 16:51

    @schöngeist:
    Dein Kommentar liest sich ja schon beinahe wie Werbung für diesen ehemaligen, illegalen Swingerclub. Wir lassen ihn dennoch erstmal stehen.
    Unser Statement dazu: Wenn wir vernünftig Wellness machen wollen, fahren wir in eine richtige, namhafte Therme, zahlen ~25 EUR für die Tageskarte und bekommen ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis. Wenn wir bunte Lichter sehen wollen, fahren wir in die Disco. Und einen Laden wie das Youneed oder eine Wanderdüne würden wir für beides niemals favorisieren.

  6.  Shnatyam 10. März 2011 um 18:41

    Weiß denn jemand, ob der Club „Legere“ bzw.
    „Legeres“ wieder eröffnet hat bzw. wird?

  7.  JungAusBerlinam 11. März 2011 um 00:11

    @Shnaty:
    Mit dem Legeres scheint es sich endgültig erledigt zu haben. Wenn nicht ein „Wunder“ geschieht und sich Erben, Nachbarn und Behörden plötzlich mächtig böse vertragen, können sich die Fans des Legeres jede Hoffnung abschminken. Also besser nach einem anderen Laden umschauen 😉

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