Swingen in München: Berlin kann einpacken

JungAusBerlin schrieb am 21. Februar 2013

Müssen wir wirklich nach Bayern ziehen, weil es da in den Clubs einfach geiler ist, als in Berlin? Diese Frage stellten wir uns kurz vor unserem Skiurlaub, als wir ein paar Tage in München verbrachten. Natürlich besuchten wir dort auch zwei Swingerclubs. Wir waren regelrecht erschrocken, wie gut es uns dort gefallen hat, denn die Unterschiede zu dem, was wir in Berlin an Elend erleben, waren gravierend. Normalerweise schreiben wir ja keine Loblieder unter Nennung der Clubs, diese beiden Läden haben es aber durchaus verdient, mal erwähnt zu werden.

Am Samstag waren wir im Arkanum vor den Toren Münchens. Leider ein Pärchenabend, aber das ging nicht anders, da wir terminlich aufgrund des darauffolgenden Urlaubes gebunden waren. Schon bei der Ankunft im Club eine Auffälligkeit: Eine ca. 15 Meter lange Schlange an Pärchen, die geduldig anstanden, um ihr Geld an der Kasse des Swingerclubs loszuwerden. Davon träumen die Clubbetreiber in Berlin, auch von den rund 250 Leuten, die dort waren. Der Club war groß und man hatte den Eindruck, dass hier Profis am Werk sind und alles eingespielt ist. Das Personal freundlich und aufmerksam, fast schon zu viele Angestellte, die um das Wohl der Gäste bemüht waren. Das angebotene Buffet war gigantisch, qualitativ für einen Swingerclub ein Traum und auch zu später Stunde wurde nachgelegt. In Berlin gibts meist Fertigbouletten und Majo-Salat aus dem Zehnkilo-Eimer, um Mitternacht ist es i.d.R. geplündert oder der Lachs keimt bei Zimmertemperatur vor sich hin. Hier bekam man aber wirklich was für sein Geld geboten. Die Spielwiesen waren gut besucht (speziell das Pornokino), allerdings wagte kaum jemand mehr, als einen Blick nach links und rechts. Aber dies lag halt am Pärchenabend, da sind die Leute meist etwas verstockter und die gewisse Würze, die Solofrauen und Solomänner oft einbringen, fehlte. Wir wurden erneut darin bestätigt, dass Pärchenabende nichts für uns sind, dennoch hatten wir einen echt netten Abend im Arkanum.

Einen Tag später besuchten wir das Cats. Dieser Club ist ja eine Institution in München und in unserer Anfangszeit wurde uns immer wieder erzählt, wie krass es da zugehen soll. Nun waren wir reif für diesen Club, soll es doch krass sein! Vorher gingen wir noch was essen, da wir davon ausgingen, dass es an einem Sonntag nichts zu futtern im Club gibt, so zumindest läuft das in Berlin und fast allen anderen Läden, die wir kennen. Das hätten wir uns sparen können, denn zu unserer Überraschung wurde uns ein großes, qualitativ hochwertiges und echt leckeres Kalt-/Warm-Buffet geboten. Eine Vielfalt, die in Berlin oft noch nicht mal Samstag-Abend bereit steht, im Cats machen die das da an jedem Öffnungstag. Der Club war wirklich gut und stimmig ausgestattet, wir fühlten uns sofort wohl. Ungefähr 40 Gäste waren im Laufe des Abends dort, auf den Matten war jede Menge Action, wenn auch für uns niemand dabei war, der uns reizte. Über unsere (krasse) Begegnung mit dem frechen Fußficker haben wir ja schon geschrieben. Das Preis-Leistungsverhältnis des Cats war absolut in Ordnung.

Die Gäste waren an beiden Abenden durchweg nett anzuschauen und wussten sich angemessen zu kleiden. Uns ist kein einziger optischer Totalausfall begegnet. In Berlin und den Clubs in Ostdeutschland oder im Norden regen wir uns häufig über das asoziale Verhalten der Gäste auf. In München haben es die Leute in beiden Clubs tatsächlich geschafft, ihre Gläser und Teller selbst wegzuräumen und die Spielwiesen nach dem Ficken vernünftig zu hinterlassen oder auch einfach mal einen kurzen Smalltalk zu beginnen, wenn man schon nebeneinander an der Bar steht. Auch „Danke“ oder „Bitte“ kamen weitaus häufiger über die Lippen, als in Berlin, wo Gäste ihre Bestellungen z.B. meist nur mit „Ein Wein!“ dahingrunzen. So spießig, wie manche die Bayern halten, so zivilisiert und damit angenehm empfanden wir die Leute – auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln, wo wir trotz intensiven Suchens keine Schmierereien entdecken konnten.

Ebenfalls sehr positiv fanden wir die rigorose Einhaltung des Rauchverbots in den Clubs, was unser Wohlfühl-Gefühl noch erhöhte. Während in Berlin und anderswo die Swingerclubbetreiber mit allerhand Tricks versuchen, sich davor zu drücken, läuft es in Bayern offenbar mittlerweile wunderbar. Und voll werden die Clubs trotzdem, denn die Leute arrangieren sich damit und verbringen ihren Abend auch nicht dauerhaft im Raucherbereich, sondern gesellen sich nach der Zigarette gleich wieder zu den anderen Gästen.

Unser Fazit aus beiden Clubbesuchen
In Berlin und vielen anderen Gegenden Deutschlands geben sich die Clubbesucher mit Scheiße zufrieden. Die Betreiber wissen dies und geben sich deshalb keine Mühe. Es kann doch aber nicht angehen, dass wir erst nach München gehen müssen, um an zwei Abenden in zwei unterschiedlichen Clubs zwei rundherum tolle Abende zu verleben?! Auf jeden Fall wissen wir nun, dass unsere Ansprüche nicht (wie wir immer dachten) gestiegen sind, sondern das Niveau der Clubs und der Swinger in Berlin tatsächlich massiv gesunken ist. Und wir wissen ganz genau, dass es nur einen Nachbau dieser beiden Clubs in Berlin bräuchte, um die gesamte Konkurrenz der vor sich hindümpelnden Swingerclubs dieser Stadt sehr alt aussehen zu lassen. Da wäre dann aber noch das Problem des in Berlin immer übler werdenden Publikums. Ein Teufelskreis offenbar, denn aus Bayern einfliegen kann man das ja auch nicht… 😐

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2 Kommentare zu “Swingen in München: Berlin kann einpacken”

  1.  Drenam 22. Februar 2013 um 13:54

    Oh Gott, ich kenne das selber, allerdings nur von guten Tanzclubs. Danach möchte ich gar nicht mehr in unsere Bruchbuden zurückkehren und ich habe dort auch nie mehr so viel Spaß wie in dem Gutem, den ich umso mehr vermisse.
    Swingen war ich bei uns leider noch nie, da fehlt es an Unterstützung und Clubs…. Spießerstadt halt.

  2.  spicysweetam 13. Juni 2013 um 00:31

    Halleluja! Und Amen.

    Ihr sprecht uns aus der Seele

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