Monatsarchiv für Juni 2026

Warum wir keine Fans von Swinger-Coachings sind

SpicyDeluXXX am 4. Juni 2026

Beziehungscoaching für Swinger
In den vergangenen Jahren ist rund um Themen wie Swingen, offene Beziehungen, Polyamorie und Eifersucht ein regelrechter Coaching-Markt entstanden. Immer mehr selbsternannte „Experten“ bieten Workshops, Seminare und Einzelcoachings an. Das Versprechen: Eifersucht und Monogamie überwinden, die Beziehung öffnen und am Ende easy in die Welt des Swingens eintauchen. Wir sprechen dabei ausdrücklich nicht von Psychologen oder anderen akademisch ausgebildeten Fachleuten mit nachweisbarer Expertise. „Coach“ ist nämlich leider keine geschützte Berufsbezeichnung, jeder Schulabbrecher in Geldnot darf sich so nennen!

Aus Neugierde haben wir kürzlich an einem Stream auf einem Erotikportal teilgenommen. Der Titel klang vielversprechend: „Swingen ohne Drama für Paare“. Angeboten wurde das Ganze von einer swingenden „Eifersuchtsexpertin, Beziehungscoach und Insiderin“. Da wir selbst seit vielen Jahren in der Szene unterwegs sind und auch Einsteigern Tipps geben, uns aber echt nicht anmaßen, deswegen „Coaches“ zu sein, waren wir neugierig. Vielleicht gibt es ja etwas Neues vom „Profi“ zu lernen?

Trotz über 320 Anmeldungen waren maximal 70 Zuschauer im Stream. Extremes No-Show findet also nicht nur auf Swinger-Events statt…
Die Ernüchterung kam recht schnell. Inhaltlich bekamen die Teilnehmer vor allem das serviert, was man inzwischen aus zahllosen Coaching-, Podcast- und anderen billigen Selbsthilfeformaten kennt: Eifersucht, Trigger, Traumata und allerlei möchtegernpsychologische Erklärungen auf flachstem Niveau. Dazu kamen die üblichen bildhaften Geschichten und stark vereinfachten Metaphern, wie immer wieder Elefanten im Vorgarten der Beziehung, die für ungelöste Traumata, Konflikte oder verdrängte Gefühle stehen sollen. Insgesamt wirkte vieles auf uns wie Küchentisch-Psychologie: viel Symbolik aber wenig Konkretes für Paare, die tatsächlich wissen möchten, wie ein Einstieg ins Swingen gelingen kann. Letztlich entstand bei uns der Eindruck, dass der Stream weniger ein praxisnaher Workshop zum Thema „Swingen ohne Drama“ war, als vielmehr eine Werbeveranstaltung für weiterführende (kostenpflichtige) 1:1-Coachings. Für uns war es rund eine Stunde vergeudete Zeit, wirklich mitzunehmen war da auch für problembehaftete Paare unserer Meinung nach nichts, da änderte auch die sympathisch wirkende Referentin nichts.

Damit sind wir beim eigentlichen Punkt: Braucht man wirklich ein Coaching, um swingen zu können?
Aus unserer Sicht lautet die Antwort: Nein, Swingen ist keine Therapie und hoffentlich auch nicht das Ende einer Therapie. Ein Swingerclub ist kein Ort, um eine kriselnde Beziehung zu reparieren oder die Tipps vom Coach im Zusammenspiel mit (unwissenden) Dritten auszutesten. Und eine offene Beziehung ist kein Werkzeug, um mangelndes Vertrauen, Kommunikationsprobleme oder persönliche Unsicherheiten zu beseitigen. Im Gegenteil. Solche Lebensformen machen bestehende Probleme oft nur sichtbarer. Was vorher schon schwierig war, wird durch zusätzliche Menschen und Dynamiken meist nicht einfacher.

Genau deshalb halten wir es für sehr fragwürdig, wenn das erklärte Ziel eines Coachings darin besteht, Menschen für den Swingerclub oder für eine offenere Beziehung „fit zu machen“. Wer grundlegende Probleme in seiner Partnerschaft hat, sollte diese Probleme lösen, weil sie Probleme sind. Nicht, damit anschließend Partnertausch, Fremdvögeln oder eine geöffnete Beziehung funktionieren.

Sehr problematisch sehen wir, dass viele dieser „Coaches“ weder eine fundierte psychologische Ausbildung noch ausreichend Erfahrung im Umgang mit Themen wie Trauma oder tief sitzenden Beziehungsdynamiken haben. Richtig heftig wird es dann, wenn aus vereinfachten Erklärungen, Halbwissen und KI-Unterstützung nicht nur das fürs Coaching ausgegebene Geld in der eigenen Tasche fehlt, sondern Eingriffe in sehr sensible Bereiche entstehen, die im schlimmsten Fall sogar Schäden anrichten.

Mal unbequemer Klartext:
Nicht jeder Mensch muss swingen.
Nicht jede Beziehung muss geöffnet werden.
Nicht jeder braucht Kink, Partnertausch oder sexuelle Abenteuer außerhalb einer klassischen, monogamen Zweierbeziehung.

Swingen oder eine offene Beziehung sind auch kein höheres Entwicklungsstadium. Es sind schlicht unterschiedliche Lebensentwürfe.

Wer sich dafür begeistert, eine stabile Beziehung führt und diesen Weg aus eigener Überzeugung gehen möchte, kann darin viel Freude finden. Nach unserer Erfahrung funktioniert Swingen vor allem dann gut, wenn die grundlegende Beziehung bereits stabil ist. Nicht perfekt, denn perfekte Beziehungen gibt es ohnehin nicht. Aber stabil genug, um offen miteinander zu reden, Grenzen zu setzen, Wünsche zu formulieren und auch einmal Nein sagen zu können. Wer dagegen erst durch Coachings, Problembearbeitung und Umkrempeln der eigenen, angeknacksten Psyche zu diesem Lebensstil hingeführt werden muss, sollte vielleicht einfach akzeptieren, dass er (oder sein Partner) nicht zu den Menschen gehört, für die das gedacht ist.

Man muss nicht lernen, ein Swinger zu werden. Man darf verdammt nochmal auch einfach ein ganz normales, monogames Vanilla-Leben führen.

Daher: Finger weg von diesem Coaching-Quatsch bei irgendwelchen selbsternannten Profis!

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

 

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de