Jubiläum: 20 Jahre bei JOYclub

SpicyDeluXXX schrieb am 24. Januar 2026

20 Jahre Jubiläum bei Joyclub
Wir haben heute unser 20-jähriges Jubiläum bei Joyclub. Seit 24.01.2006 sind wir dort nun dabei, damals nur wenige Monate nach dem Start der Community. Das ist in Internet-Jahren gerechnet eine halbe Ewigkeit. Als wir uns 2006 anmeldeten, war die Welt im Dunstkreis der Swingerszene noch eine ganz andere. Die Plattform war neu, wild, damals fast ohne Zensur, jedoch auch irgendwie familiär mit wenigen zehntausend Mitgliedern. Man hatte das Gefühl, Teil von etwas Neuem und Aufregendem zu sein, erst recht nachdem es vorher (von primitiven Fickforen abgesehen) eigentlich nur die schon damals angestaubte Paare-Plattform „Augenweide“ im deutschsprachigen Raum gab. Wir haben das als eine sehr spannende, coole Zeit in Erinnerung.

Aus den paar Zehntausend wurden fast 7 Millionen Nutzer. Das ist beeindruckend, keine Frage. Wir haben gesehen, wie Menschen, Beziehungen, Swingerclubs oder Features kamen und gingen, wie das Design moderner wurde und die Community immer riesiger. Die „Qualität“ dieser vielen Nutzer sehen wir jedoch seit einiger Zeit kritisch, während die technische Plattform dahinter kaum Anlass zu Beanstandungen bietet. Es gibt nämlich bei weitem nicht 7 Millionen Swinger, BDSMler oder Kinksters im DACH-Raum. Viele dieser Neuzugänge haben unserer Beobachtung nach mit dem Lifestyle der damals kleinen, aber echten und im Real-Life aktiven Szene-Community nichts am Hut. Der 0815-Mainstream ist eingekehrt…

Wie es im Leben oft ist, wenn ein gemütliches Dorf zur Millionenstadt anwächst, geht das Flair verloren. Die Plattform wurde geflutet, vor allem von Solo-Männern. Die wenigen Solofrauen werden regelrecht überrannt; nicht selten recht primitiv angemacht und oft wieder vergrault. Es wurde deutlich kommerzieller und viele Leute, die gar nicht an erotischen Kontakten interessiert sind, tauschen sich in Gruppen über Haustiere, Kuchenbacken und ähnliche Belanglosigkeiten aus.
Wie schrieb es mal jemand sehr treffend? „Der JC verwandelt sich zu einer Art Facebook mit Tittenbildchen.“

Viele einzelne, untervögelte Kerle (nun seit ein paar Jahren in auffälliger Zahl aus mittelalterlich geprägten Kulturkreisen) scheinen in dem naiven Glauben unterwegs zu sein, es handle sich um eine Art Selbstbedienungsladen für schnellen Sex mit anspruchslosen Frauen oder Paaren, überspitzt „Lieferando für kostenlose Schlampen“. Mehr als ein dumpfes „Hey“ oder „Ficken?“ kriegen die meisten davon nicht getippt. Leicht auszusortieren, aber trotzdem nervig. Etwas kreativere Exemplare lassen sich von ChatGPT eine peinliche Liebeserklärung formulieren, die dann massenhaft per Copy & Paste verschickt wird – nur um spätestens in der zweiten, dann selbst geschriebenen Nachricht wieder als ungebildetes Rechtschreibopfer mit Samenstau aufzufliegen. Reagiert man mit einem höflichen „Nein danke, es passt nicht“, hagelt es heutzutage nicht selten Beleidigungen oder das Gegenüber will drüber diskutieren – beides würdelos und ein ziemlich präziser Spiegel unserer kaputten Gesellschaft. Themenbereiche, die früher im Forum von Joyclub noch leidenschaftlich und offen diskutiert wurden, sind heute plötzlich problematisch und werden gar nicht erst freigegeben. Bereits mehrfach durchgekaute Themen erscheinen hingegen regelmäßig neu. Häufig wirkt alles mittlerweile sehr „woke“ und glattgebügelt, man will es offenbar jedem um beinahe jeden Preis recht machen. Ecken, Kanten und legitime Meinungsverschiedenheiten scheinen nicht mehr erwünscht zu sein. Man muss den Betreibern zugestehen, dass die Plattform technisch nicht stehengeblieben ist und wir sehen durchaus, dass im Hintergrund ständig dran gearbeitet wird. Man versucht, dieses riesige Schiff irgendwie auf Kurs zu halten, den Profit zu maximieren und sich neuerdings auch mehr zu internationalisieren. Dass Strukturen geschaffen werden mussten, um diese User-Masse überhaupt zu bewältigen, erkennen wir an und haben leider auch kein Patentrezept dafür, wie das alte Flair wiederhergestellt werden kann.

Statt echter Begegnungen hat sich unserer Meinung nach ein starkes „Sehen und Zeigen“ etabliert. Die attraktiveren Leute präsentieren sich häufig nur noch und betteln um virtuelle Anerkennung. In unseren ersten Jahren lag der Fokus der User deutlich mehr auf realen Treffen ohne wochenlanges Bla-Bla. Gibt man heute ein Dategesuch auf, passiert meist Folgendes: Ein paar Leute klicken drauf. Manche hinterlassen einen lieblosen Like-Klick – überflüssig wie ein Kropf, denn man könnte auch einfach eine Nachricht schreiben. Dieses Stöckchenwerfen nervt uns gewaltig. Viele scheinen nicht mehr in der Lage zu sein, einen halbwegs interessanten Dreizeiler zu formulieren. Auf Likes von kommunikationsgestörten Stöckchenwerfern reagieren wir daher aus Prinzip nicht. Eine echte Kommunikation oder gar ein reales Treffen? Selten – zumindest mit den wenigen Menschen, die uns auf den ersten Blick reizen und in der Vorab-Kommunikation auch einen gewissen Intellekt erkennen lassen. Sich auf genau diese guten Leute zu konzentrieren, ja sie überhaupt erstmal zu finden, ist sehr zeitraubend.

Bei den Profilbildern vieler Leute wundern wir uns oft nur noch. Normalerweise packt man ja ein ansprechendes, idealerweise neugierig machendes Foto (vielleicht auch mit etwas mehr Haut oder nett verpackt) von sich ins Profil. Viele Jahre im kleineren Userkreis hat das auch meist gut geklappt. Und heute? Was haben wir da alles schon gesehen…
Schlimme Profilbilder
Jetzt präsentieren sich einige Creeps oft mit peinlichen Posing-Fotos aus der Umkleide des Billig-Gyms, im Alltags-Schlüppi im Badezimmer mit geöffneter Kloschüssel im Hintergrund, mit Kippe vorm Spielautomaten in der Dönerbude, in der siffigen S-Bahn neben wildfremden Leuten, in völlig verkramten Bumshöhlen, ausschließlich mit Nahaufnahmen von verschrumpelten Genitalien oder man bestaunt das unvorteilhafte Bild vom verlotterten Günther mit Bierbauch und Pulle in der Hand, der neben seiner gelangweilten Uschi im feuchten Wohnmobil hockt. Auch ansteckende Genitalwarzen durften wir schon auf in Großaufnahme gezeigten Geschlechtsteilen diagnostizieren – pfui Teufel.
Sorry, aber sind das wirklich die schönsten Fotos von Euch?
Es müssen echt keine Bilder aus dem Fotostudio sein! Wie aber soll man denn auch nur einen Hauch von Interesse und Erotik entwickeln, wenn es einem bereits bei den Profilfotos eiskalt den Rücken runterläuft? Wir werden das nie verstehen…

Es ist aus unserer Sicht schwieriger geworden, echte (Kennenlern-)Dialoge zu führen. Mit Leuten, die wir von uns aus anschreiben, kommt oft kein vernünftiger Dialog mehr zustande, manche lesen noch nicht einmal ihre Nachrichten. Sogar von Leuten, die uns zuerst angeschrieben haben, folgen häufig nur lieblos dahingerotzte Einzeiler ohne Punkt und Komma, der „Austausch“ zieht sich wie Kaugummi, gestellte Fragen werden nicht beantwortet und auf den Vorschlag nach einem Kennenlern-Drink in einer Bar schläft der Dialog spätestens ein – Tastengewichse pur. Zeitdiebe und Dumme landen daher seit rund zwei Jahren ab einem gewissen Punkt auf der (früher nie genutzten) Ignore-List. Bei einigen Usern fragen wir uns sogar, wie sie mit ihrer Kommunikationsstörung und fehlenden Sozialkompetenz überhaupt ohne fremde Hilfe durchs Leben kommen. Es ist vieles oberflächlicher, schneller, unverbindlicher und für Menschen mit Anspruch auch zeitintensiver geworden. Dazu kommt dann noch das Problem mit der mittlerweile häufig sehr starken No-Show-Quote bei Events

Weitere Beobachtung: Seit auch unser weiblicher Part altersmäßig eine Vier vorne stehen hat, hat sich die Besuchergruppe unseres Profils schlagartig verändert – seltsame (vielleicht auch vergessene) Filtereinstellungen mancher U40-User sei dank. Man wird irgendwie unsichtbar, als wäre was Schlimmes mit einem passiert. Manche Leute vergessen halt, dass eine 30 oder 35-jährige Frau viel mehr nach Schabracke aussehen kann, als manch eine Mittvierzigerin. Mit solch harten Filtereinstellungen verpasst man womöglich mehr, als man findet. Wir zumindest sind immer noch verdammt heiße Feger (Transagers) und tun auch etwas dafür, regelmäßig jünger geschätzt zu werden und uns nicht zum alten Eisen zu zählen. Dafür erschrecken wir uns nun immer öfter über optisch etwas verwahrloste Muttis und Vatis mit 55+ auf dem Buckel, die neuerdings unser Profil stalken. Wir denken uns bei diesen traurigen Fällen da meist „Nein danke, in Eurer Liga spielen wir noch lange nicht – bitte schaut mal in den Spiegel und besteigt Euresgleichen.“

Anmeldedatum bei Joyclub
➡ Heute nach 20 Jahren fällt unser Fazit daher gemischt aus. Ja, wir sind noch da – ein wenig aus Gewohnheit, aber auch mangels echter Alternativen. Um Joyclub kommt man im deutschsprachigen Raum kaum herum; die wenigen anderen Plattformen sind kaum ernst zu nehmen und dümpeln vor sich hin. Von Beginn an haben wir dort ein ausführliches, gepflegtes Profil. Wir hatten Spaß, einige schöne Begegnungen, haben uns weiterentwickelt, sind aber längst nicht mehr so aktiv wie noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Nicht, weil wir nicht wollen, sondern aus den vorgenannten Gründen.

Soll dieser Beitrag deshalb negativ sein?
Nein! Wir hatten tolle Momente. Wir haben dort den Wandel des Internets live mitverfolgt – von der kleinen Insider-Plattform hin zum Massenauflauf. Aber wenn wir ehrlich sind, hatten wir die meisten und besten Begegnungen erotischer Natur immer mit Menschen, die uns im Real-Life -also ganz ohne Internet- begegneten und man sich ganz ohne virtuelles, zeitraubendes Bla-Bla einfach treiben ließ.

Trotzdem: 🎉Auf die nächsten 20 Jahre (oder erstmal fünf – dann ist es ein Vierteljahrhundert)!🥳

Ganz alleine sind wir mit unseren Beobachtungen nicht, es gibt dazu einen spannenden Beitrag im Joyclub-Forum von anderen Veteranen der Community.

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben




 

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de